Zentralbibliothek Die Geschichte von Walter Jungleib

17.04.2018

Podiumsdiskussion in der Zentralbibliothek

Im Rahmen der Ausstellung "Die Kinder vom Bullenhuser Damm", die noch bis zum 04. Mai 2018 in der Zentralbibliothek gezeigt wird, waren am Morgen des 16. April Schülerinnen und Schüler eingeladen, sich den Kurzfilm über das Schicksal von Walter Jungleib anzusehen.

Der Junge war eines von 20 Kindern, die in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 von der SS im Keller des Schulgebäudes Bullenhuser Damm 92-94 ermordet wurden. Vorher waren an ihnen unmenschliche medizinische Experimente durchgeführt worden, die vor den heran nahenden britischen Truppen vertuscht werden sollten.

Der Kurzfilm entstand im Rahmen des Erinnerungs-Projekts Hamburg Memory. Die Schülerinnen Merle Lutz und Stela Vitalosova hatten sich überlegt, das Schicksal eines Kindes in den Mittelpunkt zu stellen, und an seinem Beispiel exemplarisch von den damaligen Geschehnissen zu berichten und an die Ermordeten zu erinnern. Ihre Wahl fiel auf Walter Jungleib, der erst 12 Jahre alt war, als er erhängt wurde. Sie recherchierten sein kurzes Leben und entschieden, Walter Jungleib als "Ich-Erzähler" im Film selbst zu Wort kommen- und seine Geschichte erzählen zu lassen. Für ihren Kurzfilm wurden sie im Januar 2018 mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet. 

Walter Jungleibs Schwester, Grete Hamburg, erfuhr erst 70 Jahre nach Kriegsende, was mit ihrem Bruder passiert war. Am 20. April 2016 besuchte sie zum ersten Mal die Gedenkfeier an der Gedenkstätte am Bullenhuser Damm. Auch in diesem Jahr wird sie zur Gedenkfeier aus Israel, wo sie seit langem eine neue Heimat gefunden hat, anreisen. Dann wird sie auch Merle und Stela kennenlernen, die mit ihrem Film dazu beitragen, dass Walter Jungleib und die schrecklichen Geschehnisse am Bullenhuser Damm nicht in Vergessenheit geraten.

Dem Film schloss sich ein Gespräch an, in dem sich Merle und Stela, Nicole Mattern von der Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm e.V. und Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, über die heutige Form und die Bedeutung des Gedenkens austauschten. Dr. Garbe belegte nachvollziehbar, dass die Vergangenheit immer noch sehr nah ist. Betrachtet man die Entwicklungen in der Welt mit Kriegen, Bedrohungen der Demokratie durch autokratische Herrscher, Rechtspopulismus etc., ist das Erinnern und Gedenken wichtiger als je zuvor, um aus der Geschichte zu lernen und gemeinsam mit aller Kraft zu versuchen, diese Gefahren und Bedrohungen abzuwehren.