Zentralbibliothek Clubkultur – damals, heute und morgen

20.05.2018

Podiumsdiskussion

Hamburg weist die höchste Clubdichte in Deutschland auf: Die Veranstaltungen der 140 Clubstätten werden jährlich von 4 Millionen Besuchern frequentiert. Doch die Clubszene Hamburg ist gefährdet, da die Betreiber, die ihre Arbeit mit Herzblut und hohem Engagement ausüben, mit zunehmenden Schwierigkeiten konfrontiert sind. 

Am Abend des 17. Mai 2018 diskutierten in der Zentralbibliothek Holger Jass, Wirt und Macher vom Onkel Pö (1979 - 1985), Susanne Leonhard (Leo), Geschäftsführerin Docks und Prinzenbar (seit 37 Jahren aktiv in der Gastronomie) und Julian Jasper-Koch, Clubbetreiber freundlich+kompetent und Birdland, über 40 Jahre Club-Geschichte und die gegenwärtige Lage der Clubszene. Moderiert wurde das Podiumsgespräch von Thore Debor, Geschäftsführer des Clubkombinat Hamburg e.V..

Informativ und unterhaltsam wurde zurückgeblickt auf 40 Jahre Clubkultur. Holger Jass erinnerte sich unter anderem an eine unbekannte irische Band, die im Onkel Pö spielen wollte: der erste Auftritt von U2 in Deutschland!

Es wurden Anekdoten erzählt, manchmal mit etwas Wehmut zurückgeblickt und Vergleiche gezogen, mit welchen Problemen sich die Clubbetreiber damals und heute auseinandersetzen müssen.

Clubbetreiberin Susanne Leonhard

Hohe Mieten sind ein Faktor, der insbesondere kleinere Clubs in existenzielle Bedrängnis bringt. Aufgrund geringer Raumkapazität ist es auch gut besuchten Clubs nicht möglich, über Eintrittsgelder für Konzerte ausreichend Einnahmen zu erzielen, die feste Kosten wie Miete, Gema, Personal, Band-Gagen und anderes abdecken. Zum Überleben sind Partys nötig, aber mit einer guten Party ist es wie beim Kuchenbacken - die Zutaten müssen stimmen. Dazu gehört auch eine gewisse Lautstärke, denn "sonst wird geknutscht und dann ist die Partystimmung dahin" erklärte Susanne Leonhard. Das nächste Problem, denn durch die bauliche Nachverdichtung in Hamburg nehmen die Lärmbeschwerden von Anwohnern stetig zu.

Auf St. Pauli senken die zahlreichen Kioske, die günstig Alkohol anbieten, die Umsätze der Clubs - ein weiteres Problem. Der hohe Kostendruck führt dazu, dass NachwuchskünstlerInnen, die neue Musikstile ausprobieren, immer seltener eine Bühne finden.

Julian Jasper-Koch im Gespräch mit Holger Jass

In der Politik wird die große Bedeutung der Hamburger Clubszene gern öffentlich hervorgehoben – nur Geld darf sie möglichst nicht kosten, denn im Vergleich mit den großen Musical-Spielstätten sind die Clubs dann doch eher Kultur 2. Klasse.  "Viele Politiker glauben bis heute, dass Clubkultur mit Kultur so viel (oder so wenig) zu tun hat, wie Kulturbeutel" beschrieb Holger Jass launig die Problematik, mit der er bereits zu Zeiten des Onkel Pö zu kämpfen hatte.

Clubbetreiber Julian Jasper-Koch

Dabei ist Hamburg im Vergleich mit anderen Städten mit der Gründung der Clubstiftung, der Infrastrukturförderung des Live Concert Accounts und dem jährlichen Club Award strukturell relativ gut aufgestellt. Dies bestätigte auch Julian Jasper-Koch, der sehr anschaulich von Freud und Leid im Alltag des freundlich + kompetent erzählte, dass bereits 3x in unterschiedlichen Kategorien (zuletzt 2015) mit dem Hamburger Club Award ausgezeichnet wurde.

Aber das allein reicht nicht aus: es fehlt an geeigneten Spielstätten mit bezahlbaren Mieten und hier ist die Politik gefordert, zu unterstützen und sich für den Erhalt der vielfältigen Clubszene einzusetzen. Hamburgs Club- und Veranstalterszene begegnet diesen Entwicklungen mit einer Kampagne unter dem Titel #FutureMusicCityHH und wirbt mit einer Unterschriftenaktion für neue Anstrengungen.